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Wie aus Höhenangst Höhenglück wurde.

Klettersteigkurs Fränkische Schweiz

Meine letzte Klettersteigbegehung lag bestimmt schon 20 Jahre zurück. Bis auf Gratwanderungen hatte ich mich wegen einer über die Jahre hinweg entwickelten Höhenangst an exponierte Stellen nicht mehr herangetraut. Flo, mein Freund, hat nun vor einigen Monaten das Klettern angefangen und schon einiges mehr Vertrauen in seine Kräfte und ins Material aufbauen können. Was mir mein Vater mit 12 Jahren bereits erfüllte, ist für ihn noch ein langgehegter Traum: der Watzmann. An der dafür notwendigen Ausdauer arbeiten wir bereits stetig und für das technische Know-how meldeten wir uns beim DAV zum Klettersteigkurs an.

Am Samstag früh ging's also bei strahlendem Sonnenschein los, Richtung Fränkische Schweiz. Schon beim ersten Aufeinandertreffen der Kursteilnehmer zeichnete sich eine lockere Atmosphäre ab und die Vorfreude auf die bevorstehende Tour wuchs noch mehr. Am Parkplatz in Hirschbach angekommen, bekamen wir von unserer Kursleiterin Katja Manger eine ausführliche Einweisung zur Klettersteigausrüstung, zu grundsätzlichen Verhaltensregeln im Steig und auch wertvolle Tipps, was wir beim Kauf eigener Ausrüstung beachten sollten. Gut, dass wir vor dem Zustieg die Gurte nochmal ausziehen durften, denn nicht wenige hatten noch ein dringendes, menschliches Bedürfnis zu erledigen (Männer sind hier wieder klar im Vorteil). Alles rein in die Rucksäcke, Partner- bzw. Gruppen-Check up, ob auch nichts vergessen wurde und los ging's.

Der ca. halbstündige Aufstieg in der Mittagssonne trieb einigen bereits den ersten Schweiß auf die Stirn. Oben im schattigen Wäldchen angekommen, bestaunen wir die wunderschönen Felsformationen, die Sonnenstrahlen suchen sich ihren Weg durch das Blätterdach des dichten Buchenwaldes, einfach herrlich! Alle legen nun eigenständig das komplette Klettersteiggeschirr wieder an, der Partner prüft, ob alles passt und Katja legt die Reihenfolge im Klettersteig fest. Jetzt krieg ich schon ein mulmiges Gefühl, aber mit Flo voraus und Klemens hinter mir, kann ja eigentlich nix passieren, oder?

Die ersten Meter des Höhenglücksteig sind interessant, anspruchsvoll und auf jeden Fall zu bewältigen, man ist ja auch noch damit beschäftigt, das Umhängen der Karabiner nicht zu vergessen. Doch schon nach 10 min. kommt für mich die erste Schlüsselstelle. Nach der speckigen Einstiegswand, an der wir uns in ca. 3 m Höhe entlang hangeln, geht es plötzlich um eine Ecke. Über und vor mir eine steile Felswand, unter und hinter mir die gesamte Fränkische Schweiz. Hilfe! Andere würden sich jetzt über die schöne Aussicht freuen, ich nicht! Augenblicklich spult sich das komplette Programm ab: Ich will hier weg – Mist, das geht jetzt aber nicht. Der Felsen an dem ich mich wie eine Bekloppte festklammere, fängt an zu schwanken. Von vor mir und hinter mir, gut gemeinte Ratschläge. 'Ach, die sind ja auch noch da. Oh Gott, ich halte die ganze Truppe auf.' Jetzt bloß keinen Druck aufbauen – tief durchatmen. Nachdenken. 'Nur ein Schritt, du kannst nicht fallen.' Gutes zureden vom erfahrenen und vor nichts zurückschreckenden Klemens. Aber die Angst macht unfähig rational zu denken und zieht mir den Saft aus den Beinen. Gut das der Rest mich nicht sehen kann! Ich kämpfe mit mir und den Tränen (hauptsächlich vor Wut, weil mich die Angst nervt und ich doch so gerne weiter will…) Mein Hirn sendet unentwegt Signale an mein linkes Bein. Nur ein Schritt. Kann doch nicht sein, dass das Projekt Klettersteig so schnell wieder beendet sein soll! Und was soll ich denn dann den ganzen Tag treiben, während die anderen sich hier am Fels austoben? Alles in mir konzentriert sich auf mein Bein und den Stahlstift auf den es treten soll. Ein kurzer Anflug von Trotz und Wut geben mir endlich das Quentchen Schwung, dass mir gefehlt hat, um die Bewegung auszuführen. Ich bin um die Ecke! Mein Herz klopft, meine Arme schmerzen. Die Fränkische Schweiz immer noch hinten unter mir – schön! Aus Höhenangst wird Höhenglück! Bißchen schwach bin ich, auch noch unsicher, aber jetzt will ich weiter. Am besten sofort, denn die Aktion hat mich ganz schön Kräfte gekostet. Am nächstgrößeren Balkon tausche ich auf Katja's Rat hin, den Platz mit Flo und gehe nun hinter ihr weiter. Katja zeigt mir Tritte, hängt mir an manchen verzwickten Stellen die Karabiner um, damit ich mich auf sicheren Halt konzentrieren und Kraft sparen kann. Es kommen noch ein paar knifflige Stellen, aber trotz Angst, weiß ich, dass ich es kann und mit jedem kleinen Teilerfolg, macht es mehr und mehr Spaß. Am Ausstieg vom 2. Abschnitt bin ich dann doch schon ganz schön fertig und überlasse den dritten und schwersten Teil den erfahreneren und kräftemäßig besser ausgestatteten Kraxlern.

 
Klettersteigkurs Fränkische Schweiz 2010

Steigeindrücke

Klettersteigkurs Fränkische Schweiz 2010

Glückliche Teilnehmer


Und ewig lockt das Erdbeerbödele und so machen wir uns zufrieden und verschwitzt ‚Zum Hirschen‘ runter nach Hirschbach. Bei Kaffee, Kuchen und Getränken bekommen wir von Katja noch einige Unterlagen zum Klettersteig Know-how; sie hat sogar extra was zur Watzmann-Überquerung dabei. Der Abend klingt gemütlich und fröhlich beim Abendessen und anschließend beim Zusammensein in der Egerland-Hütte aus. Dort treffen wir auch auf die andere Gruppe des JDAV und wir verabreden uns für den Sonntag zum Klettern. Das Wochenende hat Riesenspaß gemacht und es hat alles gepasst – der nächste Klettersteig kann kommen!

Alex Büdel, Neustadt

Klettersteigkurs Fränkische Schweiz

Gruppenbild

 

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