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Kemptner Hütte

Mit der Familie unterwegs auf die Kemptner Hütte.
„Geh nie aus der Hütte fort, ohne Wasser und Gottes Wort!“

Familientour 07.-08.08.2010 – In der Annahme eine Familientour sei etwas gemütliches und ein harmloser Einstieg in das Bergwandern mit Gepäck ließ ich meinen Gatten uns anmelden. Wir waren drei Elternpaare und fünf Kinder zwischen 7 und 14 Jahren. Die jüngste war unsere Tochter, von der wir wussten, dass sie – gut ausgeschlafen – 1000 Höhenmeter ohne weiteres schafft.

Also starteten wir früh am Morgen, Gisela und Wolfgang Baum stiegen bei uns in Kreuzwertheim zu, damit war unser Bus gefüllt und los ging‘s. In Oberstdorf angekommen, ging es erst mal um einen Platz, um das Auto zwei Tage stehen lassen zu können. Wir lernten, dass ein in den Ferien ungenutzter Schulparkplatz ein teurer Spass werden kann. Nachdem das geklärt war, holte uns ein Shuttleservice von der Spielsmannsau ab, der uns den langen Anmarsch das Tal hinauf auf dem Asphalt ersparte, bis der eigentliche Wanderweg anfing. Dieses Tal hinauf darf nicht mit dem eigenen PKW befahren werden.

Dann ging‘s richtig los: Und schon nach den ersten paar hundert Metern hörte ich mein Herz in den Ohren, schwitzte ordentlich und verfluchte innerlich das ganze Vorhaben. Motto: Durchhalten und dann nie wieder. Bei einer kleinen Pause nach dem ersten Drittel, bat ich, früher aufbrechen zu dürfen, um nicht zum Bremsklotz für alle anderen zu werden. Das Tempo hatten übrigens meine Kinder vorgegeben. Ich hätte nur drei Minuten Vorsprung gehabt, sagte mein Mann hinterher, und doch brauchten sie lange, mich wieder zu erreichen. Ich hatte inzwischen „mein“ Tempo
gefunden und kam gut zurecht und sah dabei auch etwas von der Umgebung, blieb auch mal stehen, um zu schauen. Alles war saftig grün und es blühten Blumen wie Vergissmeinnicht, große Glockenblumen und auf dem Gipfel in 2300 Meter eine kleinblütige Art von Alpenrosen und vieles mehr. Nun machte es Spass.

 
 

Der weitere Weg ging an einer Felswand entlang, an der einige kleine Wasserfälle herabstürzten, die man nur halbnass bewältigen konnte. Egal, trocknet wieder. Für die Strecke waren 2 ¾ Stunden Gehzeit ausgewiesen, als wir die Kemptner-Hütte erreicht hatten, hatten wir nur 2 ¼ Stunden gebraucht. Kein Wunder, dass es im meinen Ohren gerauscht hatte.

Die Kinder, die ohne eine Klage konzentriert gewandert waren, wollten uns, nachdem wir die Rucksäcke abgestellt und gestärkt hatten, nicht weiter auf den Muttler begleiten. Und so wanderten die „Alten“ weiter auf die Muttlerspitze, sahen und hörten Murmeltiere, konnten Steinböcke beobachten und jungen Gemsen beim Herumböckeln zuschauen. Auf dem Muttler lag Neuschnee, die Sonne schien und der Blick ging bis in alle umliegenden Täler. Mein zweites „Berg Heil“ mit dem DAV.

Weil ich mich nicht an Wolfgangs Rat „Geh nie aus der Hütte fort, ohne Wasser und Gottes Wort“ -oder so ähnlich – gehalten hatte, schmeckte ich den Neuschnee ab, auch eine Erfahrung mitten im August. Der Abstieg ging mit Stöcken besser als erwartet. Nun bezogen wir unsere Zeile im Matratzenlager, das die Kinder schon in Besitz genommen hatten. Für mich das erste Mal in dieser Art zu übernachten. Ich hatte mich kürzlich mit der Flucht aus Ostpreussen und dem Treck nach Westen beschäftigt und fühlte mich ein bisschen dahinein versetzt. Ich hatte es mir enger vorgestellt und undisziplinierter, was die zahlreichen anderen Schlafgenossen anging – zu Unrecht – vorsorglich hatte ich Ohrstöpsel mit dabei, die sicher kein Fehler waren. Der Bauernschmaus war gut und so üppig, das wir dankbar waren, dass sich unsere Mitwanderer unserer Reste annahmen, zumal es ja schade ist, wenn Lebensmittel, die einen solchen Weg bis auf die Hütte hinter sich haben, dann weggeworfen würden. Wunderbar unkompliziert, diese DAV-Leute, dachte ich.

 
 

Unsere Familie ging früh schlafen, der Siebenjährigen zuliebe und mein Mann war auch nach einer vollen Woche schnell eingeschlafen. Ich hatte mir den einzigen verfügbaren Roman auf der Hütte gesucht und las noch ein bisschen in dem Schmachtfetzen mittels Stirnlampe. Merke: Nächstes mal Hüttenlektüre mitnehmen. Um 22.00 Uhr ging tatsächlich von fremder Hand gesteuert die Raumbeleuchtung aus. Schnaufende Gemeinschaft im Finstern.

Das Frühstück war gut organisiert, die verwöhnten Kinder mussten Brot essen, das herrlich säuerlich war, wie man es bei uns nicht mehr bekommt. Als wir dann loslaufen wollten, fand Michael seine neuen Stiefel nicht mehr da, wo er sie tags zuvor abgestellt hatte, nach längerer Suchaktion fanden sich ein paar Wanderstiefel derselben Marke und Art nur in Goretex statt in Lederausführung und ein halbe Nummer kleiner, zum Glück kam er zurecht damit. Dass man als DAV‘ler gegen solche Verluste versichert ist, wusste ich auch nicht. Wann der frühe Wanderer wohl merkte, dass es nicht seine eigenen Stiefel waren, in die er da geschlüpft war? Zunächst stiegen wir weiter auf, z,T. mit ein bisschen Kletterei und gingen ein Stück auf dem Heilbronner Höhenweg, bis er anfing, sich als gerader Weg über einen glatten Hang zu ziehen zur Mädelegabel hin und kehrten dann um. Heute nörgelten die größeren Buben und konnten nicht früh genug den Abstieg antreten. Das abendliche Fernsehprogramm lockte.
Noch eine Kalorienpause auf der Hütte, während die Sonne schien, dann den Weg angetreten in sanftem Regen, der immer stärker wurde, bis es schließlich schüttete . Mit den Metern dem Tal zu wurden die Tropfen wärmer. Im Tal rauschte das Wasser, die kleinen Wasserfälle, durch die man durch musste waren breiter und wilder geworden, Bächlein flossen auf dem Weg, der Regen prasselte einem auf die Kapuze und dann fing es auch noch zu donnern an und blitzte einmal recht nah. Also noch ein bisschen schneller laufen und gut schauen, wo man hintritt. Kalt war keinem, zur Feuchtigkeit außerhalb der Regenkleidung kam die von innen.

Zu unserem Erstaunen strömten uns bei diesem Wetter scharenweise Leute entgegen, viele in kurzen Hosen mit unzureichender Regenkleidung oder gar ganz ohne, einer sogar nur mit Tevas (Klettsandalen). Oft mussten wir ausweichen und die Heerscharen durchlassen, sie liefen meist ohne Gepäck und einer rief mir zu, sie würden der Sonne entgegenlaufen nach Meran. Ich lief dem Auto entgegen, freute mich auf eine Dusche und war ein bisschen stolz, meine erste Gepäckwanderung bewältigt zu haben. Es sollte nicht die letzte sein.

Gerlinde Lamott, Kreuzwertheim

 

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