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Einmal über den Rand schauen oder der Traum vom Höhenglück

 
 

Seit unserem letzten Wanderurlaub in Gerlos, träumten mein Freund und ich davon, unsere Wandererlebnisse durch Klettersteigbegehungen zu erweitern. Einmal über den Rand schauen, um Ausblicke zu genießen, die sonst den Kletterern vorbehalten sind. Damals versprach der Gerlossteig ein sportliches Erlebnis mit atemberaubenden Ausblick zu werden. Doch ein Bergführer warnte uns, es ohne Klettersteigerfahrung auf eigene Faust zu probieren.

Ich versprach meinem Freund: beim nächsten Mal! Dann aber nicht unvorbereitet! Da ich schon immer einen ordentlichen Respekt vor der Höhe hatte, wollte ich unbedingt eine gute Einführung ins Klettersteiggehen bekommen und meldete uns zwei beim DAV zum Klettersteigkurs an. Endlich war es soweit. Früh morgens ging´s los Richtung Hersbrucker Schweiz. Nach und nach trudelten alle Kursteilnehmer am verschlafenen Parkplatz in Hirschbach ein. Die Vorfreude auf die bevorstehende Tour war allen ins Gesicht geschrieben. Wir konnten es kaum erwarten. Doch zuerst brauchten wir noch das notwendige Know How.

Das bekamen wir von Katja Manger, unserer Kursleiterin, gleich nach der Begrüßung vermittelt: Richtiges Verhalten im Steig, wichtige Sicherheitsregeln und wertvolle Infos zur Ausrüstung! Auch das richtige Anlegen der Ausrüstung will gelernt sein. Schon das Anprobieren und der Partner-Check up machte allen sichtlich Spaß. So, dann wieder die Gurte runter, rein in den Rucksack, ein letzter Gang in die Büsche und wir waren bereit für den Aufstieg! Der ca. halbstündige Aufstieg in der Sonne brachte so manchen schon zum Schwitzen. Oben angekommen erwartete uns ein herrliches
Wäldchen mit wunderschönen Felsformationen. Wir staunten. Nicht weit von Nürnberg solche Felsen… unglaublich! Jetzt wird´s ernst! Das Geschirr wird wieder angelegt. Noch ein Partner-Check, Helm auf und dann kann´s losgehen! Wir hören schon ein leises Klicken im Wald und wissen: wo Karabiner klicken, kann der Klettersteig nicht weit sein!

Ein paar Schritte und uns erwartet die Einstiegshürde. Wir müssen durch einen Kamin nach oben! Da schlägt das Herz etwas schneller! Die erfahrenen Kletterer gehen voran, wir werden angeseilt und gut gesichert meistern alle die erste Hürde.

Katja erklärt, dass Klettersteige in der Regel Einstiegshürden haben, um leichtsinnige “Karohemden” (Kosename für modische Spazierwanderer) davon abzuhalten, sich ohne Ausrüstung und Erfahrung an den Klettersteig zu wagen. Hat man den Einstieg geschafft, wird es im Steig nicht viel schwerer.Gerade heute hab ich mein geliebtes Karo-Shirt in Weiß-Blau an. Alle lachen. Nur gut, dass ich ein Karohemd mit guter Ausrüstung und in bester Begleitung erfahrener Klettersteiger bin! Der Kamin ist geschafft. Oben angekommen, legt Katja die Reihenfolge am Klettersteig fest. Sie vor mir und mein Freund hinter mir: da kann ja nichts schief gehen! Aber ein bisschen Lampenfieber hab ich dann doch. Ich erinnere mich an die Bilder des Höhenglückvideos, dass ich mir ein
paar Tage zuvor auf youtube angesehen hatte und bekomme Zweifel, ob solche Abgründe nicht eine Nummer zu groß für mich sind. Schließlich gibt es kein zurück. Der Klettersteig ist eine Einbahnstraße!

 

Zum Glück besteht der Höhenglücksteig aus drei verschiedenen Abschnitten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Und man kann sich nach jedem Abschnitt ausklinken. Ich bereitete meinen Freund schon darauf vor, dass ich wahrscheinlich nur den ersten Teil mitgehen werde. Doch erstens kommt es anders … .Es geht los. Das Umklinken der Karabiner ist am Anfang etwas ungewohnt, Katja zeigt mir´s nochmal und schon hab ich den Dreh raus. An einer Wand entlang gehts nach oben. Dann kommt der entscheidende Moment. Es geht um die Ecke und plötzlich liegt uns die Hersbrucker Schweiz zu Füssen. So ein Ausblick bekommt eine ganz andere Dimension, wenn man auf schmalem Tritt an einer steilen Felswand hängt. Wie viele Meter geht´s wohl runter? Lieber nicht fragen! Aber es ist so überwältigend schön, dass kein Platz mehr ist für ängstliche Gedanken. Und es fängt an richtig Spaß zu machen. Katja gibt mir einen guten Rat: sich einmal bewußt ins “Ruhe-Seil” fallen lassen und einfach mal “abhängen”. Das schafft Vertrauen in die Ausrüstung und ist notwendig, wenn einen an schwierigen Stellen die Kraft verlässt. Doch leichter gesagt als getan. Die Füße wollen den sicheren Tritt erst nicht verlassen und mit in der Luft baumelnden Füßen, wollen die Arme einfach nicht loslassen. Für mich ein echter Vertrauenstest! Katja ermutigt mich loszulassen und schon hängt mein Hintern über dem Abgrund und Glückshormone machen sich breit. Ein gutes Gefühl sich getraut zu haben und noch besser mit frisch getanktem Vertrauen weiter zu gehen.

Der erste Abschnitt geht dann fast von alleine. Es hat allen sichtlich Spaß gemacht. Angeregt tauschen wir uns über unsere persönlichen Erlebnisse aus. Nach einer kleinen Stärkung kommt der zweite, etwas schwierigere Teil. Hier zeigt uns Katja gute Tritte und rät auch mal zum Fußwechsel. Und so kommen auch die Kleinsten von uns gut über den sogenannten “ Zwergentot” (besonders weit auseinander liegende Tritte). Der Klettersteigerhumor gefällt uns. So geht´s heiter weiter! Geschafft! Alle sind zufrieden. Nun stand uns nur noch der 3.Teil bevor. Katja betont, dass dieser Abschnitt eher sportiv angelegt ist und dass nur diejenigen von uns weiter machen sollen, die sich absolut fit fühlen.

 

Das Warnschild vor dem Einstieg klingt auch nicht sehr beruhigend: absolute Schwindelfreiheit wird vorausgesetzt! Die Mehrheit unserer Gruppe war glücklich mit den ersten beiden Teilen und verzichtete auf den Letzten. Doch ein paar von uns waren hin und her gerissen. Ich auch. Noch ganz im Höhenrausch, wollte ich nicht, dass es schon vorbei ist. Doch, ob die Kraft noch ausreicht? Inzwischen haben die Kletterer unter uns sich bereits vor dem Einstieg versammelt und überwinden das 1. Hindernis. Jetzt muss ich mich entscheiden, wenn ich hinter Klemens (= maximale Sicherheit) gehen will. Zuerst muss noch die Einstiegshürde genommen werden. Einige Mädels vor mir finden keinen Tritt, baumeln in der Luft und schwingen mit letzter Kraft zurück zum Startpunkt. Diese Hürde, sollte entscheiden, ob´s für mich weiter gehen soll oder nicht. Ich konnte unmöglich aufhören, ohne es wenigstens probiert zu haben. Der zu überwindende Abstand ist groß und der glatte Zwischentritt an der speckigen Wand hat schon meinen Vorgängerinnen keinen Halt geben können. Dann musste es eben ohne gehen. Die Männer machten es wie Tarzan. In der Mitte kurz gegen die Wand stemmen und weiter. Ohne groß zu überlegen, machte ich es ihnen nach und es klappte tatsächlich. Hurra, geschafft! Doch jetzt gibt´s kein zurück mehr. Klemens empfiehlt mir, mich erst mal hängen zu lassen, um die Arme zu entspannen. Das habe ich auch nötig, denn diese Aktion hat mich ganz schön Kraft gekostet. Zufrieden häng ich in den Seilen und genieße auch den Beifall der anderen. Der 3.Teil hat noch ein paar knifflige Stellen parat und zwischendurch möchten meine Arme den Dienst quittieren, aber Klemens ist immer zur Stelle, motivierend und beruhigend, findet er für uns Tritte, wenn wir an einer Stelle nicht mehr weiterkommen. Mit einem erfahrenen Klettersteiger wie Klemens voran, hat man das Gefühl, dass eigentlich nichts passieren kann. Dieses Gefühl von Sicherheit hilft uns auch die schwierigeren Stellen in Ruhe zu meistern. Und immer wieder kurz hängen lassen, Kraft tanken und den unglaublichen Ausblick genießen. Ein Traum!

Am Ende erreichen alle zufrieden das Ziel. Meine Arme zittern noch. Die anderen warten schon auf uns. Mein Freund umarmt mich und ich bin glücklich! Jetzt kommt noch die Belohnung. Der “goldene Hirsch” wartet auf die hungrigen Klettersteiger mit leckerem Essen, kühlen Getränken und dem legendären Erdbeerbödele. Hier lassen wir den Tag Revue passieren und bekommen noch einige Unterlagen mit dem wichtigsten Klettersteig-Know-How. Wir sind uns einig: dieser Tag war ein echtes Erlebnis für uns alle! Vielen lieben Dank an Katja und Klemens für die tolle Kursleitung! Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und wir haben viel von euch gelernt! Für uns hat der Höhenglücksteig gehalten, was sein Name verspricht: Höhenglück pur! Jetzt kann der
Gerlossteig kommen!

Daniela Leibetseder, Lengfurt

 

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