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Klettersteigkurs Hersbrucker Schweiz

… Grenzerfahrungen erleben

24. Juni 2012. Bei unserem Wanderurlaub in den Lechtaler Alpen haben meine Tochter und ich zum ersten Mal einen Klettersteig an der Hanauer Hütte absolviert. Meine Frau hatte sich damals nicht getraut mitzugehen, wegen ihrer Höhenangst. Da meine Tochter und ich Blut geleckt hatten und wir weitere Klettersteigurlaube planten, hat meine Frau als „Überraschung“ auch ein Klettersteigset bekommen. Ihre Freude hielt sich in Grenzen!

Da wir alle Neulinge im Klettersteiggehen sind, haben wir beschlossen uns bei dem DAV zum Klettersteigkurs anzumelden. Unsere neunjährige Tochter durfte nicht mit, weil ich nicht abschätzen konnte, ob sie den Klettersteig, der in einigen Passagen weit auseinander liegende Trittstifte aufweist physikalisch meistern könnte. Wir trafen uns am Sonntagmorgen mit Katja Manger zur Bildung von Fahrgemeinschaften in Altfeld. Dort erfuhren wir, dass Klemens kurz vorher einen Arbeitsunfall hatte und diesen Kurs nicht begleiten konnte. Wir ließen einen traurigen Mann zurück. Er hätte diesem Tag lieber das Stahlseil als Krücken in den Händen gehabt. Da mich mein Navi in das nächste Dorf leitete, kein Mobilfunkempfang da war und selbst Kletterer den Hirschen in Hirschbach nicht kannten, kamen wir als letzte am Treffpunkt an.

Katja, unsere Kursleiterin, erklärte uns zuerst das richtige Anlegen und den Gebrauch der Klettersteigausrüstung. Außerdem die Sicherheitsregeln, den Partnercheck , das richtige Verhalten im Steig und Tipps zur Zusatzausrüstung wie Bandschlinge und Karabiner. Danach wurde die Ausrüstung in den Rucksack verstaut, denn vor dem Vergnügen musste erst in einer halbstündigen Wanderung der Aufstieg zum Prellstein bewältigt werden. Es stellte sich heraus, dass wir nicht alle Klettersteigneulinge waren, sondern das einige Gruppenmitglieder schon etwas Erfahrung hatten und Katja noch drei Guides zur Verstärkung eingeplant hatte.

 

Oben angekommen wanderten wir noch an den bizarren Felsen vorbei, an denen entlang wir uns kurze Zeit später hangeln würden. Das klicken der Karabiner von anderen Klettersteiggeher war schon zu hören und es machte sich bei mir eine freudige Anspannung bemerkbar. So, noch mal kurz in die Büsche, dann wurden erneut die Klettergurte angezogen und der Partnercheck durchgeführt. Dabei wurden wir auf die Probe gestellt, da die Guide´s einige Fehler beim Anlegen ihrer Ausrüstung eingebaut hatten. Aber diese wurden alle erkannt. Am Einstiegskamin, welcher kein Sicherungsseil aufwies, kletterten die Personen der Gruppe, welche Katja schon kannte ungesichert hoch. Alle anderen wurden mit einem Seil gesichert. Diese Einstiegshürde ist für die normalen Wanderer gedacht, damit sie sich nicht auf den Klettersteig verirren und zu mutig werden. Katja legte die Reihenfolge im Steig fest, meine Frau ging gleich nach ihr. So konnte Katja Beate gute Ratschläge geben wo sich natürliche Tritte befinden und wie man sich am Steig fortbewegt. Meine Frau kam trotz ihrer Höhenangst gut durch den ersten Abschnitt. Ihre Wanderschuhe fanden jedoch schlechten Halt auf den Trittstiften. Sie rutschte laufend nach innen, wodurch sie mehr Kraft brauchte als nötig gewesen wäre. – Wir haben später neue Schuhe mit fester Sohle gekauft.

Bei der ersten Pause unter der Wittmannschikane, welche wir umgingen, haben wir gemerkt, dass man heutzutage auf den Klettersteigen nie alleine ist. Uns haben einige Gruppen überholt. Einer Frau hatte Katja die Seilbremse richtig befestigt. Sie hat ganz verstört geschaut. Ich traute meinen Augen kaum. Alle Personen dieser Gruppe hatten an einem Seilende des Y-Seils nur einen Materialkarabiner. Welch ein Leichtsinn! Wenn man bedenkt, das auch die Kletterlegende Kurt Albert im Jahre 2010 im ersten Teil des Höhenglücksteigs tödlich abstürzte. Der zweite Teil des Höhenglücksteigs ist schwieriger und kräfteraubender. Beim Petrusbrettl durchstiegen wir eine luftige Querung nur mit Stiften und kamen an einem freistehenden Felsen namens Petrus vorbei. Als bei meiner Frau die Kräfte nachließen gab die Katja den Rat, sich in die Bandschlinge zu hängen und auszuruhen.

Da Beate damals noch wenig Vertrauen in das Material hatte und sich das Ende des Klettersteigs in unmittelbarer Nähe befand, konnte Katja sie nicht dazu bewegen. Den zweiten Teil hatten alle geschafft und Katja überlies es jedem sich an dem dritten und schwierigsten Teil zu versuchen. Sie blieb zurück und ging direkt nach oben auf den Prellstein um eventuell Hilfe leisten zu können. Die erste Hürde ging bei mir mit etwas Schwung recht gut. Es kamen sehr überhängende Stellen die viel Kraft kosteten. Teilweise sah ich nach einem Knick nur das Seil und keine Tritte. Da gab es nur festhalten, rumschwingen und Tritte suchen. Als meine Kraft nachließ und der Steig noch nicht zu Ende war, kam ich auch an meine Grenzen und ich beobachtete an mir das gleiche, teilweise falsche Verhalten, das ich vorher bei meiner Frau gesehen habe. Kurz vor dem Ende ging in dann in einen Bein die „Nähmaschine“ los. Gott sei Dank konnte ich das noch kontrollieren und war froh als ich am Ende des Steigs ankam.

 

Nach einer kurzen Regeneration kamen die Kräfte wieder und ich konnte mit den Anderen den Ausblick genießen. Dieses tolle Panorama haben aber auch normale Wanderer, da der Gipfel auch zu Fuß bestiegen werden kann. Katja sagte, dass wir nun alle als Belohnung im Hirschen ein Erdbeerbödele verdient hätten. Davon schwärmte sie schon morgens beim Aufstieg. Wir genossen auf der Terrasse des Gasthofs Hirschen die letzten Sonnenstrahlen des Tages und eben die letzten Erdbeerbödelestücke des Wirts. Nachdem wir noch einige Klettersteigunterlagen bekommen hatten, gingen wir zurück zum Parkplatz und traten die Heimreise an.

Auf Wiedersehen Höhenglücksteig, auf Wiedersehen und besten Dank an Katja für diesen erlebnisreichen Tag. Wir haben viel gelernt, das wir im Anschluss auf unseren Klettersteigtouren umgesetzt haben. Das wichtigste was man lernt und immer beachten muss ist „Sicherheit“ geht vor. Vor allem wenn Kinder und Klettersteiganfänger in der Gruppe dabei sind.

Norbert Müller, Frammersbach

 

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