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Der Jungfernstieg - Frauentour im Oberallgäu

Premiere beim DAV MSP – Wandertour “nur für Frauen” !

Da hat Paula eine „Marktlücke“ aufgetan: Keine Männer, keine Kinder, nur ….Frauen. Naja, der Hund war männlich.

Die Laune war schon beim frühen Einsammeln super, jede kannte ein paar von vorherigen Touren und Paula kannte alle. Es fing also schon herrlich unkompliziert an, die einzige Komplikation an diesem Wochenende war das Wetter: Heiß bis 30 Grad, schwül und pralle Sonne.

Bei unserer Unterkunft in Sonderdorf bei Bolsterlang angekommen, starteten wir unsere “Hörner-Runde”. Nach kurzer Gehzeit gab es aufgrund der Schwüle den zum Glück einzigen Fall von Kreislaufschwäche, der sich mit Lagerung, Flüssigkeit und Entlastung vom Rucksack beheben ließ. Von Umkehren und Aufgeben war nie die Rede, auch nicht mit kräftigen Reaktionen auf Bremsenbisse und beginnendem Magendarminfekt. Aufgrund der Strapazen gönnten wir uns zwei Einkehrpausen. Bei den vielen Erdinger alkoholfrei auf dem Tisch und der guten Laune kam dann die Frage vom Nebentisch: “Seit`s ihr ein Kegelclub?“ Petra lauerte darauf zu antworten: “Nein , der katholische Frauenverein!“. Wir zogen als Gruppe von zehn Frauen (mit einem Hund) immer mal Blicke auf uns. Trotz kostenlosen Tickets in der Tasche schenkten wir uns am späten Nachmittag das Gondel fahren und liefen die 650 Hm wieder talwärts. Beim viergängigen Abendessen lernten wir Dinge wie Soljanka und Krautkrapfen kennen. Herrlich, die Küche nicht aufräumen zu müssen!

 

Das reich bestückte Frühstücksbüfett bot als Besonderheiten Löwenzahnhonig (Löwenzahnblüten aufgekocht und dann mit Zucker und Zitronensaft bis zu honigartiger Konsistenz gekocht), selbstgebackenes Brot, hausgemachte Marmeladen und ließ keine Wünsche offen. Auch durfte man sich für seine Vesper einpacken was man wollte. Schade nur, daß wir schon beim Frühstück einen zarten Schweißfilm hatten – so warm war es. Paula gab deshalb auch die Parole aus: „Keine geht hier los, die nicht 2,5 l zu trinken dabei hat.“

Die brauchten wir auch am Fellhorn. Der Schweiß lief im Warmatsgund in Strömen und Paula , die die Lumpensammlerin machte und uns genau im Auge behielt, gab mir die Order „Noch langsamer gehen“. Ich durfte das Tempo machen; Noch nie hat jemand zu mir gesagt, ich solle langsamer gehen, immer habe ich die Befürchtung ich könnte ein Hemmschuh für alle anderen werden. Paula meinte, es gibt Selbstbewußtsein vorneweg zu laufen, recht hat sie. Es zeigte sich, dass das die Befürchtung vieler bei der Anmeldung war, nicht schnell genug zu sein. Gerti war begeistert: “So bequem bin ich noch nie einen Berg hinaufgekommen!” Die Luft reichte sogar noch für eine Unterhaltung. So wenig geplagt hat auch mich selten ein 800 Hm-Aufstieg, trotz der allzu reichlichen Temperaturen.

 
Jungfernstieg 2012

Frauentrupp im Klettersteig

Jungfernstieg 2012

Der Weg ist das Ziel !

 

Ein reines Vergnügen war bei strahlenden Sonnenschein das Blühen um uns herum. Wenn auch Alpenrose und Türkenbundlilien noch etwas gebraucht hätten, so standen doch Wiesenraute, Bach-nelkenwurz, Knabenkraut, Sterndolde, Bergflockenblume, Teufelskralle und weiter oben Frühlingsenzian und Trollblumen in voller Blüte. Nicht umsonst heißt das Fellhorn “Blumenberg”. Hund Malte, der langbeinig sicher mehr als den zweifachen Weg, zurücklegte, freute sich auf jedes Bächlein, einmal war er kurz verschollen, dann quetschte er sich wieder an uns vorbei. Am Ende rannte aber auch er keine Umwege mehr. Eine Stelle gab es, da war ein Stahlseil aus dem Fels gerissen. Einigen wäre es lieber gewesen, sie hätten sich daran festhalten können. “Meist kann der Mensch etwas mehr als er sich traut.” Dem Wetter geschuldet sparten wir uns den Gipfel und die Touristenströme zwischen Kanzelwand und Fellhorn. Den Rückweg beschlossen wir einstimmig mit der Bahn zu nehmen.

Auf der Fahrt ins Quartier erzählte Paula von einem Moorbad in der Nähe, Gerti und ich fuhren hin: Ein Naturschwimmbecken, mit Beton und Holz eingefasst, romantisch von saftiger Wiese und hohen Bäumen umgeben, irgenwie wie 1960. Das braun-trübe Wasser kostete mich zwei Sekunden Überwindung, war aber chlorfrei und das brachte uns ein besonderes Erlebnis: Ich fing einen Bergmolch aus dem Wasser und nachdem Gerti fragte, wie sich das anfühlt, setzte ich ihn ihr auf den Arm. Er spazierte zu ihrer Hand und sah ruhig um sich und glitt wieder ins Wasser. Einfach wunderbar. Im Wasser treibend konnte man auf das Rubihorn blicken – da will ich wieder mal schwimmen gehen.

 

An diesem Abend saßen wir im Freien, es war lau, neben uns wurde Bier gesiedet in einem vergleichsweise winzigen Kupferkessel, wir durften den Malzsud abschmecken, und je später der Abend wurde , desto mehr erfüllten wir das Klischee einer kichernden Frauenrunde. Schön war`s!

 

Am Abfahrtstag liefen wir durch die naturgeschaffene Starzlach-Klamm bei Sonthofen, eine kleinere, aber dafür nicht so überlaufene Klamm wie die bei Oberstdorf. Wir kehrten in einer recht ursprünglichen Alm ein, auf der der Käse, den wir als Mitbringsel erstanden, in einem Kessel über dem Feuer bereitet wird. Zurück liefen wir auf einem Weg, der steiler nicht mehr ging. Die ihren Knien nicht mehr trauten, wurden langsam.

Und schon war`s leider vorbei!

Schön war`s! Wir sind schon jetzt gespannt, was Paula sich für nächstes Jahr einfallen lässt.

Gerlinde Lamott, Kreuzwertheim

 

 

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