[ Zur Hauptnavigation springen ]

[ Zur Unternavigation springen ]

[ Zur Suchnavigation springen ]

[ Zur Servicenavigation springen ]

[ Zum Inhalt springen ]

[ Zu den aktuellen Meldungen springen ]

Servicenavigation:


Unternavigation:

Inhalt:

Und die Karawane zieht weiter ...

Ein Erlebsnisbericht eines DAV-MSP Mitwander-Debütanten
15. Juli, 6.00 Uhr Montag früh – nicht schon wieder! Ich zwinge meine Beine unter dem Esszimmertisch still stehen zu bleiben, die wollen eigentlich laufen. Mein Kopf ist noch auf 2962 m, aber der Rest ist wieder hier, zurück im Maintal. Gnadenlos, ein neuer Montag.
Eben habe ich mir noch fix die Druckerschwärze vom neuen Sektionsbericht von den Fingern gewischt und mich bei Katja (damals noch Frau Manger :-) per Mail für die Tour zu Deutschlands schillerndstem goldenem Gipfelkreuz ganz oben auf der Zugspitze angemeldet. “…scho isses wieder rum”. Mist!

12. Juli, 10.13 Uhr Bahnhof Retzbach-Zellingen, ich lungerte auf dem Bahnsteig herum – auf die Zugspitze reist man mit dem Zug. Die meisten anderen lauerten schon im Waggon und warteten drauf, was für einer da jetzt noch einsteigt. So spät am Tag habe ich mich noch nie in Richtung Berge in Bewegung gesetzt und dann noch mit der Eisenbahn und vor allem zum ersten Mal mit dem DAV, Sektion MSP. Bisher habe ich nur beim “Gut und Günstigen” Bergsteigeressen oder für eine billigere Matratze mit dem kleinen grünen DAV-Kärtchen gewunken. Jetzt wollte ich mal ausprobieren, wie das so ist, wenn ich selber nix organisieren muss.

Im ICE nach Garmisch – Abfahrt von Würzburg Hauptbahnhof – hatten wir zwei Stunden Zeit uns trotz Gekreische und Gelache einer Jungesellinnen-Abschieds-Fete kennen zu lernen. In Nürnberg waren wir dann erlöst, alle “Party-Damen” haben den Zug in Richtung “Alkohol” verlassen. In Garmisch am Bahnhof erwarteten uns schon sehnsüchtig Katja und unser seiltragender Oswin. Die beiden haben schon eine Schleife bei der Alpspitze gedreht. Die 50 Meter Kletterhilfsmittel hat er dann die ganze Tour – auch auf mehrfaches Verlangen – nicht mehr rausgerückt. Mir hat er den Strick nur zweimal grinsend mit den Worten “…da halt mal!” auf den Rucksack geknallt. Ich rätsle heute noch, ob er da nur was im Rucksack gesucht hat oder ob er mir nur sagen wollte: „Hey, Grauhaar, ich bin noch fit!“

Respekt, lieber Oswin. Ich hätte es keine drei Tage schleifen wollen. Dann schob sich die Karawane mit 14 DAVlern und eben so vielen Rucksäcken in die Zugspitzbahn. Ab nach Hammersbach, zum Startplatz unserer Tour. Kaum war unser nicht enden wollender Strom von sportlich gekleideten und bepackten Klettersteigaspiranten aus dem Zug gequollen, wurde nach kurzem Aufrödeln schon das erste Gruppenfoto befohlen – wie schö simmer doch! Und jetzt ging’s richtig los.

Erste Steigung ins Höllental. Das Feld zieht sich auseinander. Irgendwer rennt halt immer vorne weg. Nach kurzem Anstieg sammelten wir uns wieder und zwängten uns einer nach dem anderen durch den Eingang in die Höllentalklamm. Wasser von überall. Bei den Brücken, über das unter uns durchrasende Wasser, keimte ab und zu der Gedanke über die Haltbarkeit von Stahl und Holz auf. Wenn da so ein Übergang aufgibt, kommt man sich sicher vor wie ´ne Fliege in der Klospülung… platsch und weg. Naja, und dann noch die gefühlten hundert Tunnel, bei denen man so schön von oben mit Eiswasser geduscht wurde. Schön war’s. Wirklich!

 

Die auf 1387 m gelegene Höllentalangerhütte wartete nur noch dieses Jahr auf uns. Im Sommer 2014 wird die typische dunkel düstere Holzhütte komplett neu gebaut. Schauen wir mal, ob heller schöner wird. Später verspeisten wir unsere Vollpension – Quatsch den Hirsch und die Klöße natürlich – und kippen noch ein zwei Kennenlernbierchen runter. Geschlafen haben wir im „Schuppen“ hinterm Haus – alles brechend voll. Jeder will auf den Berg.
Historische Unterkunft, 2013 abgerissen und Geschichte!

13.Juli, 4.20 Uhr !!, gerade so Freitag. Irgendein Depp funzelt mir ins Gesicht. Oswin und noch zwei drei andere räumten schon den Rucksack voll. Ach ja, Katja die Gnadenlose blies zum Aufbruch.

 

Nach drei Scheiben Brot, beladen mit ordentlich Wurst und Marmelade, ging’s dann um 5.45 Uhr los …ohne Gruppenfoto, dafür war’s noch zu dunkel. Gefühlt hatte sich die komplette Hütte verabredet und alle trabten los Richtung Süden. Der Steig rief. Nach lockerem Einlaufen schoben wir uns nun langsam aber stetig nach oben. Über das berüchtigte Brett, das eigentlich gar nicht so’n Brett war, gelangten wir an den Rest des irgendwann mal sicher imposanten Gletschers. Auf weißem Schnee sehen die vielen Berggeher – schön aufgereiht, wie auf einer Schnur – aus wie Ameisen. Haben die alle auf unserer Hütte übernachtet? Gleich nach der nicht vorhandenen Randkluft ging’s dann zum ersten Mal wirklich senkrecht. „Hey, lasst uns mal durch, wir sind schneller wie ihr, weil wir uns sowieso nicht einhängen…“ Hella blieb die Spucke weg. Kopfschüttelnd hat sie dann die zwei Drängler durchgelassen. Hubschrauber wollte ich auch schon immer mal fliegen, aber sicher nicht, weil ich gerettet werden wollte und ich vorher ohne Fluggerät versucht habe oben zu bleiben.

Nach dem Gipfelkreuz das beliebteste Fotomotiv auf dem Gipfel „Verreckt und hie is ähs!“

12.30 Uhr, Zugspitze und 1575 Höhenmeter später, hallo, wir waren oben, …aber hunderte von Schlitzaugen, Sandalenträger, Rentner und Sonstnochwers leider auch.
Ich glaube, keiner von uns hat die „höchste Bratwurst Deutschlands“ gegessen. Ich kann mich nur an so ein bestimmtes Stück Käse erinnern, das sicher bleibenden Eindruck bei den Riechorganen einiger der eben beschriebenen Mitmenschen hinterlassen hat. Eingehüllt in diese Wolke, lagen wir knapp zwei Stunden auf der flächig betonierten Spitze des höchsten Berges Deutschlands. Ich glaube, wir wurden öfter fotografiert als das Gipfelkreuz.

14.30 Uhr, Abstieg zur Wiener Neustädter Hütte auf 2213 m. Eben noch Touristen gucken – ich weiß jetzt wie sich ein Gorilla im Zoo fühlt – schon ging’s wieder nach unten. Hier ist aber auch nichts eben. Entweder rauf oder runter. Wir merkten nun schnell, dass wir in Österreich waren. Der Weg – falls man den so nennen konnte – ging nach fünf, sechs Kehren, schnell über, in ein vorsichtiges nach unten Tasten über feines, rutschiges Gestein, fast wie in einer Kiesgrube. Wir hatten da auch das seltene Vergnügen, eine besondere österreichische Rasse von Alpinisten beim Kiesfeldsurfen und Schneefeldglitschen beobachten zu dürfen. Mir ist jetzt klar, warum die fast ausgestorben sind. Kaum einer überlebt so was bis zum Rentenalter. Bis 500 m vor der Hütte kämpften wir uns nach unten. Abwechselnd mit und ohne Drahtseile. Dann kam nur noch Schotter und wir waren vor der Hütte. Auch so ein Fossil von 1884. Man kommt sich vor wie im Museum. Drinnen braucht man so gut wie immer Licht, weil das alte Holz schon fast schwarz geworden ist. Als ich dann gelesen habe, dass der Gastraum wirklich als Ausstellungsraum gedacht ist, der die Entstehung der Hütte dokumentieren soll, wusste ich, dass der erste Eindruck vom Museum schon richtig war.

Und dann kam’s. Die Hütte war genagelt voll und der Wirt hatte Katjas Anmeldung verpennt. Irgendwie hat das dann doch noch geklappt, dass jeder eine Ecke zum Ausbreiten seines Schlafsacks bekommen hat. Die einen zusammen mit zwölfjährigen Kids, die anderen im kuscheligen Doppelbett (wenn ich was merk!!) und wieder andere zusammen mit der wilden österreichischen Bergrettung. Ganz wichtig: Rettung! Nicht Wacht. Die Bergwächter sind in Österreich die Hüter der Gemsen, Schafe und Blümchen.

Und retten darf sowieso nur der Blasius von der österreichischen Bergw… äh …rettung (fast hätte ich’s falsch geschrieben).

14. Juli, Sonntag. Wir wollten doch ausschlafen… Nix war’s. Um 6.15 Uhr ging das Stühlerücken los. Der Gastraum musste vom Wandermief der eingelagerten Schläfer befreit werden, damit uns allen das Frühstück schmecken konnte. Apropo schmecken: Ein wirklich gutes Gschmäckle hält so ein Trockenchemieklo für uns bereit, wie wir das alle in der Musemshütte benutzen durften. Ich denke, jeder hat sich im gleich daneben gelegenen Miniwaschraum – unsisex – die Zähne etwas schneller geschrubbt und die übliche intensive Körperpflege, die man bekanntlich auf Hütten so treibt, auf das Minimum reduziert.

 

8.00 Uhr (ca., habe nicht so genau aufgepasst) – Gruppenfoto – und nicht das letzte! Und danach ging’s endgültig bergab. Und zwar richtig zackig. Wieder Seile, aber ein wesentlich besserer Weg, bis auf ein kleines Stück, wo wir rechts, statt links abgebogen sind. Das kann dem besten Pfadfinder passieren. Der Eibsee, auf ca. knapp 1.000 m gelegen, war das Ziel in der Ebene. Und dann gab’s was zu Essen und ein Weizenbier – alkoholfrei, versteht sich, wegen den Isotonen (oder so)! Ein netter Tourist vom Nachbartisch wurde noch genötigt das nun wirklich letzte Gruppenfoto zu knipsen. Fast wäre er dabei von der kleinen Mauer gefallen. Nur drei Minuten von der Zahnradbahn entfernt, hielten wir es fast zwei Stunden bei diesem „Schlußhock“ aus. Und man glaubt es kaum, im Bahnhof wieder nur …Japaner. Der Rest ist recht schnell erzählt. In Garmisch stiegen wir nach ein paar Eiskugeln und etwas in der Sonne schwitzen (egal, wir waren schon stinkig) in den Zug nach München. Von dort donnerten wir mit dem ICE (ohne Verspätung!) Richtung Würzburg, mit Zwischenhalt in Ingolstadt und …Nürnberg. Ja was geht jetzt! Ich kam mir vor wie die armen Piraten im Asterix-Heft: Auf der Heimfahrt stiegen alle diese Jungesellinnen-Abschieds-Fete-Damen wieder bei uns ein! Gottseidank geläutert und sehr mundfaul und eine sogar etwas verschämt: „…ich glaub’s net, die kennen uns!“ Grins.

Im Würzburger Hauptbahnhof verließ ich die Truppe mit Händeschütteln, weil meine Frau, Annette, mich im Vorbeifahren in ihr Auto geladen hat. Der Rest der Wander-DAVler ratterte dann noch eine halbe Stunde später mit der Regionalbahn Richtung Gemünden und Lohr. Und so schnell geht ein wunderschönes Wander- und Kraxel-Wochenende vorbei.

15.7., 6.30 Uhr. Ich schleiche mich aus dem Haus und greife eine neue Arbeitswoche an. Naja, ich weiß wenigsten warum: Schaffen, damit das Geld für das nächste (kleine) Abenteuer rein kommt!

Euer Herwig Haas, DAV MSP-Mitwander-Debütant

 

[Zum Seitenanfang]