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Im Schweizer Granit

Alpinkletterkurs / alpine Führungstouren im Bergseegebiet – 31.7. bis 4.8.2013
Immer wenn die letzten Jahre die Frage nach einem geeigneten Standort für den Alpinkletterkurs im Raum stand, hieß es entweder Hermann-von-Barth-Hütte in den Allgäuer-, oder dem Gimpelhaus in den Tannheimer Alpen. Trotz all der Vorteile die die beiden Gebiete zweifelsfrei bieten, wollten wir den „Wiederholungstätern“ unter den Teilnehmern aber auch uns „Führern“ 2013 mal etwas Neues bieten.

So fahren wir diesmal Ende Juli ins Land der Alphornbläser. Vorbei am Vierwaldstädter See, der schweizerischsten aller Schweizer Landschaften (Wilhelm Tell lässt grüßen), geht’s auf der Autobahn bis Göschenen. Hier zweigen wir dann in das wildromantische Göschenental mit seinen steilen Granitwänden und zahlreichen Wasserfällen ab. Obwohl es auf der Fahrt teilweise noch regnet, empfängt uns am Ende der Fahrstraße auf der Göschenenalp schon ein strahlend blauer Himmel. Die guten Wetterprognosen für die nächsten Tage scheinen sich zu bewahrheiten. Voller Vorfreude steigen wir zur herrlich gelegenen, typisch schweizerischen Bergseehütte auf. Neben dem idyllischen Bergsee beherrschen vor allen die vergletscherten Gipfel von Galen- und Dammstock die Szenerie. Beide erreichen immerhin eine Höhe um die 3600 m. Nach einigem Durcheinander hat schließlich jeder einen Platz in der überbelegten Hütte in Beschlag genommen. Dass man dabei als „Gangschläfer“ nicht nur Nachteile hat, weißt sich allerdings erst die nächsten Tage, besser gesagt Nächte. Nach einer kurzen Mittagsrast teilen wir die Seilschaften ein und machen uns erstmals am “für Franken doch eher gewöhnungsbedürftigen” Granit zu schaffen. Im hüttennahen Sektor Glattenberg muss so mancher erstaunt feststellen, dass hier mit Fingerkraft und dicken Bizeps wenig zu holen ist. Vielmehr führt das Vertrauen in die Reibung zum Erfolg und damit zum Aufstieg. Eine Erkenntnis, die auch die nächsten Tagen weiter helfen sollte. Immerhin – am Abend waren die ersten Routen, aber auch Sonnenbrände, unter Dach und Fach.

 

Der zweite Tag beginnt wie der erste geendet hatte. Die Sonne knallt vom gnadenlos blauen Himmel. Nicht weniger als sieben MSP-Seilschaften verlassen die Hütte. Es wird fränkisch gesprochen im Bergseegebiet – und geflucht! Während Michael, Bernd und Oleg mit dem Rest der Mannschaft den leicht erreichbaren Routen der Bergseeschijen Südwand zustreben, sind Andy und ich mit „Anhang“ zur lang gezogenen Bergseeschijen O-Wand unterwegs. Dabei ist „lang“ das Stichwort. So zieht sich nämlich die Suche nach den Einstiegen hin. Ewig stolpern und rutschen wir auf dem unübersichtlichen Blockwerk und den Schneefeldern vom letzten Winter umher. Erst nachdem der Wand bereits einige, in dieser Gegend sicher noch nicht gehörte und an dieser Stelle auch nicht wiederholbare Vokabulare entgegen gehallt waren, findet Andy endlich die Einstiege. Damit war das Schwierigste für den Tag auch schon geschafft. Was folgt wäre Genuss, wenn, – ja wenn es die Sonne nicht allzu gut mit uns gemeint hätte. So aber sehnen wir uns nach je zwei interessanten Routen und zweimaligen Abseilen über die Wand, nach Abkühlung. Wohl dem, der einen klaren, erfrischenden, aber nicht zu kalten Bergsee vor seiner Hütte hat. Auch die anderen Seilschaften unserer Gruppe sind nach einem erfolgreichen Tag inzwischen zurück. Alles gut – lediglich an der Stelle, an der mehrere Routen am Grat des Bergseeschijen zusammenlaufen, war es zu Wartezeiten gekommen. Kein Wunder also, dass zum Abendessen nur sonnengerötete, zufriedene und hungrige Gesichter erscheinen. Seltsamerweise waren nach dem Menü einige dieser Gesichter leicht säuerlich geworden. Ob es an der Reisessigsalatsuppe oder ähnlichem gelegen hat?!?

 

Trotzdem müssen die Teller leer gewesen sein, denn die Sonne scheint auch am Morgen des dritten Tages mit solcher Intensität, dass sogar die Letzten nach Sonnencreme rufen. Die Regenjacken bleiben endgültig aus den Rucksäcken verbannt. Der große Vorteil dieses Klettergebietes ist seine Vielseitigkeit. Neben Klettergärten mit nur einer Seillänge existieren Wände und Grate mit 15 und mehr Längen. Ebenso reicht das Spektrum von einfachen bis zu anspruchsvollen Routen. So verteilen wir uns auch heute wieder, jeder nach seinem Geschmack auf die umgebenden Wände und Sektoren. Nach der begeisternden Kritik von „Mitsch“ steigen Andrea, Florian und ich heute durch die Route „Tonis Lust“ in der Bergseeschijen Südwand. Zehn Seillängen in schöner, abwechslungsreicher, teils unkonventioneller Kletterei (für deren Bewältigung mindestens genauso unkonventionelle Lösungen gefunden wurden) führen uns zum Ausstieg am Gipfelgrat. Eine phantastische Aussicht und ein immer noch wolkenloser Himmel runden das Bergerlebnis ab. Kletterherz was willst du mehr! Beim Abstieg über die Ostgratscharte hängen wir sogar noch die kurze Route „Blondes Gift“ dran. Aber spätestens jetzt lockt der See unwiderstehlich. Dort werden die Badegäste nach anfänglicher Skepsis von Tag zu Tag zahlreicher. Nun, ganz so selbstverständlich ist es auch nicht in einem Bergsee in über 2300 m Meereshöhe zum Baden zu gehen.

Weniger angenehm ist die Geschichte mit den Gesichtern beim Abendess(ig)en. Sie wiederholt sich leider auch heute. Mit Folgen! Am nächsten Morgen reiben wir uns verwundert die Augen. Erstmals nach drei Tagen wieder Wolken am Himmel und davon gleich richtig viele. Trotzdem schwärmen wir, wie gehabt aus. Zu Recht! Schon beim Zustieg überwiegt wieder die Farbe blau am Firmament. Es erwartet uns erneut ein sonniger, heißer Sommertag. Auf Grund der Vielzahl lohnender Routen steht heute die Bergseeschijen O-Wand hoch im Kurs. Mit fünf Seilschaften belagern wir den Ostwandsektor. Dennoch kommt jeder mit zwei Touren auf seine Kosten. Andrea, Florian und ich steigen beispielsweise durch die teilweise herrlichen Routen „Congratulation“ und „Gunggel“. Durstig aber zufrieden geht’s am Nachmittag zur Hütte hinab. Damit der Abend aber nicht zulange wird, gesellen sich Bernd und ich noch zu Oleg und Andy. Die sind noch mit ihren Gruppen am Sektor See fleißig. Aber leider wird die Kletterei ebenso wie der abendliche Badespass durch ein rasch aufziehendes Gewitter abrupt beendet.

 

Gerade noch einigermaßen trocken erreichen wir die Hütte. Statt wieder dem leidigen Thema „Essen“, möchte ich an dieser Stelle lieber dem weitaus angenehmeren „Apfelwein“ widmen. Dieser fand nämlich im Gegensatz zuvor Genannten, bei der Mehrzahl von uns durchaus regen Zuspruch. Auch wenn es jetzt vielleicht etwas unglaubhaft klingen mag, es war NICHT der Apfelwein sondern vielmehr das zweifelhafte Wetter und die lange Heimfahrt, die uns bereits am Vormittag des Abreisetages zum Abstieg veranlasste. So bleibt als letztes Hindernis die nochmalige Durchquerung der nach vorne hornbewaffneten und nach hinten schie(ei)ßenden Herde von schweizer Rindviehchern auf der Göschenenalp.

Die Heimfahrt verläuft dann durch schwere Gewitter mit unwetterartigen Niederschlägen. Glück gehabt! Aber nach den schlechten Erfahrungen der letzten Jahre hatten wir uns dieses Glück einfach mal verdient. Ich hoffe und denke, dass es für alle Teilnehmer eine schöne Unternehmung mit bleibender Erinnerung gewesen ist. Im Namen aller „Führer“ nochmal einen herzlichen Dank für das in uns gesetzte Vertrauen und eine schöne Zeit.

Lothar Schlör, Helmstadt

 

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