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Berggeschichten – Berichte unserer Mitglieder

Härtetest im Stubaital 05.-08.09.2008

Mit gemischten Gefühlen fieberte ich meiner zweiten Tour mit der Sektion MSP entgegen. Gemischt deshalb, weil zum einen der Wetterbericht nicht das voraus sagte was ich mir erwünscht hätte (Sonne pur), und weil mir mein Kollege, mit dem ich sonst in den Bergen unterwegs bin, für diese Tour abgesagt hat. Was soll´s, werden mich wohl net fressen ( bei meinem Gewicht auch nicht so einfach )!

Am Freitag war es dann so weit. Pünktlich um 4 Uhr morgens wurde ich abgeholt und das Abenteuer Eisausbildung konnte beginnen. Nach ca. 6 Stunden Fahrt erreichten wir unseren Ausgangspunkt im Stubaital. Auf dem Parkplatz hatte ich dann die Möglichkeit meine größtenteils unbekannten Mitstreiter zum ersten Mal kennen zu lernen. Schnell war klar, dass wir nur eine weibliche Person aber immerhin 13 stramme Kerls waren. Paula wurde gleich zum massieren, bedienen und Rucksäcke tragen eingeteilt. Die Lacherei konnte beginnen. Nachdem wir unsere großen Rucksäcke in der Materialseilbahn verstaut hatten (welch ein Luxus!) machten wir uns an den ca. 2 stündigen Aufstieg zur Sulzenau Hütte auf 2196m. Hier zeigte sich gleich, dass die meisten ziemlich fit waren und mit den ca. 600 Höhenmetern kurzen Prozess machen wollten. Gegen Mittag erreichten wir unser
Ziel. Die erste Garnitur war somit durchgeschwitzt. Recht zügig konnten wir unsere Lager ( dazu später ein bisserl mehr ) beziehen.

Das Wetter schien uns gnädig,und so konnten wir uns nach einer ausreichenden Mittagspause gleich mit unserer Eisausrüstung, bestehend aus Steigeisen, Pickel, Helm, Gurt usw., auf dem Sulzenau Ferner vertraut machen. Schon witzig, wenn man mit fast 40 Jahren das Laufen ( mit Steigeisen ) neu lernen muss. Spätestens hier zeigte sich aber schon, dass wir zum Einen super Fachübungsleiter dabei hatten und zum Anderen auch eine super Truppe waren. Nachdem wir dann alle perfekt laufen, hüpfen, springen und klettern konnten ( grins ) ging es zurück auf die Hütte.

Nun wurde jedoch klar, dass wir zu mindestens mit unserem Lager ziemlich ins „Klo“ gelangt hatten. Wir wurden im Winterlager untergebracht, welches sehr kahl (Betonwände) und kalt war und zudem verlief direkt vor unserer Zimmertüre das Toilettenabflußrohr der oberen Stockwerke, was unser allen Geruchssinn des öfteren auf eine harte Probe stellen sollte. Keinerlei Haken oder Ablagefächer rundeten das Ganze noch ab. Die Hütte war voll, und so bestand auch keine Möglichkeit diese „Suite“ zu wechseln. Umso erstaunlicher, mit wie viel Rücksicht, Toleranz und sehr viel Humor dieser Um/Zustand von uns gemeistert wurde. Hier möchte ich mich auch gleich mal bei allen Teilnehmern für dieses beispiellose Verhalten bedanken!!!

Auch beim Abendessen zeigten wir uns von unserer besten Seite. Wir machten dem Koch indem wir uns Essensnachschläge geben ließen, gleich klar, dass wir aus dem Frankenland einen gesunden Appetit haben!

Da für Samstag gutes Wetter gemeldet war, entschieden sich unsere FüL für eine Gletschertour mit Gipfelsturm auf den Wilden Freiger (knapp über 3400m). Nach mühevollem gelatsche über Geröll und Blockwerk empfing uns Mutter Natur mit Wolken, Kälte und knackigen Wind mit stellenweise 100 km/h am Wilden Freiger Ferner auf ca. 2900m. Also alles anziehen was man so dabei hat und rauf auf den Gletscher, damit wir wenigstens Spaltenbergung üben können, wenn schon kein Gipfel möglich ist. Hätten wir lieber mal Zeichensprache geübt. Einfach irre, wie laut und kalt diese Windgeschwindigkeiten sich in dieser Höhe anhören und fühlen. Ein kleiner Teil der Gruppe machte sich gleich an den Abstieg, die Anderen wollten es unbedingt wissen und bleiben. Nach einem Durchgang der Spaltenbergung mussten aber auch wir vor dieser unheimlichen Kraft der Natur kapitulieren und umkehren.

Den Nachmittag nutzten wir dann, das Gelernte in Nähe der Hütte an einem Felshang weiter zu üben. Wir hofften alle, dass das für Samstag versprochene schöne Wetter uns am Sonntag beehrt.

Aber dummerweise war es dann so wie voraus gesagt! Regen, Regen und Regen. Klasse! Was nun? Den ganzen Tag wollte keiner auf der Hütte bleiben, also rein in die vorhandenen oder nicht vorhandenen Regenklamotten und raus an den Fels. Unsere FüL waren wirklich nicht zu beneiden. Bei Regen und sehr kaltem nebeligen Wetter hieß es Standplätze zu bauen. Nun konnten wir wieder unter extremen Bedingungen üben wie man sich alleine aus einer Spalte heraus arbeiten kann. Eine weitere Grenzerfahrung; nach ca. 3 Stunden waren dann auch die Letzten durchnässt und steif gefroren. An einem Seil hoch zu Prusiken macht zwar warm, aber nur den der es gerade macht und die Finger fallen einem doch irgendwann ab. Also wieder zurück in die wärmende und schützende Hütte. Wenigstens war es möglich, für einen Euro 4min lang warm zu duschen, was einem unter diesen Bedingungen der letzten Tage das höchste Gut gewesen ist.

Nachmittags stand dann noch mal Wiederholung der angewandten Techniken und Knoten auf dem Plan, allerdings in der warmen Stube. Ein bisschen Tourenplanung, Karten- und Kompass-Kunde rundeten diesen Nachmittag ab. Der letzte gemeinsame Abend wurde genutzt um Positives/Negatives über dieses Ausbildungswochenende, das in dieser Form mit gleich 4 FüL bisher einmalig war, zu erörtern bzw. gleich neue Anregungen für das nächste Jahr zu geben.


Da es am Montagmorgen immer noch regnete, beschloss man gemeinsam abzusteigen und Richtung Heimat zu fahren. Bei schönem Wetter wäre eine weitere Übungseinheit oder doch noch eine Gipfeltour erwägbar gewesen.

Abschließend möchten sich alle Teilnehmer bei unseren hervorragenden Fachübungsleitern Michael, Thomas, Bernd sowie Oleg recht herzlich bedanken und hoffen, das nächstes Jahr in gleicher oder ähnlicher Zusammensetzung eine Fortsetzung dieser Ausbildung möglich ist!

FüL:

Michael Reuß, Thomas Bauereisen, Bernd Mergler, Oleg Baumann

Kursteilnehmer:

Paula Ebert, Stefan Krimm, Fabian Krimm, Uwe Keller, Marcel Brönner, Detlef Mühlmann, Walter Siegler, Bernhard Steigerwald, Christian Gilgerstein, Stefan Grein

Berg heil und bis zum nächsten Mal!

Stefan Grein

 

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