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Berggeschichten – Berichte unserer Mitglieder

"Rhön-Wanderung" in den Haßbergen 24.-26.10.08. Die wundersame Rhön

Auch dieses Jahr gab es für die traditionellen Herbst-Rhönwanderer eine Überraschung, denn es lautete der Beschluß des Wanderführers Lothar (Ziegler): die Rhönwanderung findet in den Haßbergen statt! Da hatte er wirklich eine gute Idee! Der Markenname Rhön wurde genutzt, um die Wanderer in die stille Schönheit der Wälder und Täler der Haßberge zu locken und Quartier in Königsberg, dem Rothenburg der Haßberge, zu beziehen. In dem an Fachwerkhäusern und Geschichte reichen Städtchen wurde ein geführter Rundgang von allen sehr begrüßt. Ein humorvoller Stadtführer machte diesen recht kurzweilig, indem er seine Erzählungen über die wechselvolle Geschichte, berühmte Königsberger und die insgesamt unter Denkmalschutz stehende Altstadt mit Witzen auflockerte. Da blieb dann doch so manches hängen, wie dieser, als er bei einem Blick auf die Fachwerkhäuser-Dachlandschaft fragte: “Warum ist wohl dieses Haus mit hellen und das daneben mit dunklen Ziegeln gedeckt?” Alles Mögliche konnte man da mutmaßen, doch die richtige Antwort gab er nach einer angemessenen Denkpause selbst: “Damit es nicht hinein regnet!” So machte die Führung allen Spaß und man hatte wieder etwas dazu gelernt!

Am Samstag ging es dann auf dem “Hirschkäferweg” zum Aussichtspunkt Wart mit herrlichem Ausblick auf Königsberg und seine ehemalige Stauferburg auf dem Schloßberg,
auf die umliegenden Dörfer, die Städte Haßfurt und Hofheim, den Steigerwald, das Maintal und die Rhön. Hier stand ehemals ein hoher Wartturm. Der Wart oder Hüter hatte die Königsberger und den Türmer auf dem Schloßberg vor anrückenden Feinden zu warnen. Er war auch Hüter über die umliegenden Weinberge (ca. 30 ha). Unser nächstes Ziel war der Wachthügel. Wie der Name sagt, wurden von hier die rings umliegenden Weinberge bewacht. Der Diebstahl von Weintrauben wurde früher hart bestraft – sogar mit dem Tode. Durch die strategische Lage und den weiten Blick in das Maintal konnten anrückende Feinde von Süden und Westen rechtzeitig erkannt werden.

Da wir erst für 13:00 Uhr in Prappach zur Brotzeit angemeldet waren, machten wir noch einen außerplanmäßigen Bogen, der uns dann fast alpines Können abverlangte, aber pünktlichst zum Gasthaus brachte, wo eine große Tafel für uns gedeckt war und die freundliche Wirtin schnellfüßig für unser leibliches und geistiges Wohl sorgte. Es kamen dann auch noch die Angler, die den Karpfenteich abgelassen und die Fische eingefangen hatten. Unser Rückweg führte uns dort vorbei und der Angler-Vorstand, der auch der Vater unserer Wirtin ist, zeigte uns stolz den Riesenkarpfenvater, der nach der Reinigung des

Teiches wieder mit den kleinen Karpfen eingesetzt wird. Auf freier Flur bei Sonnenschein mit herrlicher Aussicht ging es nach Norden am Regelberg und unterhalb der Wart vorbei zurück nach Königsberg.

Was sind wir doch für Engel! Am Sonntag lachte die Sonne schon am Morgen auf dem immer steiler werdenden Weg über den Salzmarkt und die Schloßsteige hinauf zur ehemaligen Reichsveste, eine Staufergründung unter Kaiser Barbarossa zwischen 1168 und 1180. Sie wechselte in ihrer ereignisvollen Geschichte oft ihre Besitzer. Unter den
ersten Stauferkaisern gewann das Geschlecht der Grafen von Andechs, der späteren Herzöge von Meranien, Einfluß über die Burg, kurzfristig das Bistum Bamberg, dann wurde sie 1249 den Grafen von Henneberg übereignet. Sie gehörte später vorübergehend den Burggrafen von Nürnberg, dem Herzog von Pommern und dem Hochstift Würzburg. Die
Burg überstand alle Kriege. Sie wurde oft belagert, auch eingenommen, ausgeplündert, aber nie zerstört. Da sie baufällig wurde, hat man sie 1764 aufgegeben und verfallen lassen. Um die Ruine kümmert sich seit 1921 im besten Bürgersinn die Schloßberggemeinde. Recht eindrucksvoll ist auch der heute noch gut erhaltene 97 Klafter (etwa 80 m) tiefe, gemauerte Brunnen.

Auf dem Grenzweg vorbei an alten markanten Grenzsteinen, die nach napoleonischer Zeit von ca. 1807 bis 1920 die Grenze zwischen dem sächsischen Königsberg und dem bayerischen Unfinden markierten, ging es weiter. Die Naturbühne eines Spielplatzes inspirierte Lothar und Erich zur Aufführung eines Theaterstücks. Beide Protagonisten standen da in strammer Haltung, den Wanderstock im festen Griff, den Blick scharf auf das erwartungsvolle Publikum gerichtet – wie aus einem Mund verkündeten sie den Titel: “Der einmalige Auftritt” wobei sie gleichzeitig mit dem rechten Fuß energisch einen Schritt vor traten. Das Stück konnte man kaum so schnell begreifen wie es vorbei war! Der deshalb etwas verzögerte Lacherfolg war ihnen trotzdem sicher.

Nach der Überquerung der Verbindungsstraße Königsberg – Burgpreppach gelangten wir an den Rastplatz oberhalb der Anglerseen. D ort genossen wir die herrliche Landschaft. Dann begann der Aufstieg zum Rennweg. Auf dieser urgeschichtlichen Handelsstraße errei chten wir die Urwiese und den Zeysenstein. Auf dem romantischen Hohlweg mit einer Felspassage gelangten wir durch die Weinberge zum Fachwerk- und Winzerdorf Unfinden. In einer gut besuchten kleinen Gaststätte aßen wir äußerst preisgünstig zu Mittag und stillten unseren Durst. Auf einem gepflegten Fußweg ging es zurück nach Königsberg durch die Gassen der historischen Altstadt zum Marktplatz, wo unsere PKW's auf uns warteten.

Eine rundum zufriedene und gutgelaunte Gruppe dankte dem Wanderführer Lothar für die schönen Tage. Man darf gespannt sein, wo die Rhön im nächsten Jahr liegt!

Christl Wellner

 

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